Hexenprozesse in Kurmainz

Martin Behm

Martin Behm (16. September 1557 in Lauban - 5. Februar 1622 in Breslau). In der Oberlausitz bekam er bereits 1574 während einer Hungerkrise in Schlesien die Auswirkungen der "Kleinen Eiszeit" zu spüren.

Er ging daher für zwei Jahre nach Wien, arbeitete hier als Privatlehrer und wechselte von dort nach Straßburg. Auf Wunsch seiner Mutter kehrte er nach dem Tod des Vaters 1580 nach Lauban zurück. Hier wurde er Lehrer in der Dorfschule, dann Diakon in der Dreifaltigkeitskirche. Erst im Juni 1586 wurde er Pfarrer, nachdem sein Vorgänger nach Breslau gegangen war. Diese Stellung bekleidete er 36 Jahre. Dabei erlebte er die Hungersnot von 1590, die Pest von 1613 und seit 1619 den Krieg. Von den von ihm komponierten 480 Liedern wird hier das 1604 geschriebene "Wie lieblich ist der Maien" vorgestellt.

Wie lieblich ist der Maien

1. "Wie lieblich ist der Maien
aus lauter Gottes Güt
des sich die Menschen freuen
weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen,
die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre
für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre,
laß sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen
dein Macht und Güt ist groß,
drum wollst du von uns wenden
Mehltau Frost, Reif und Schloß'.

3. Herr, laß die Sonne blicken
ins finstre Herze mein
damitsich's möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben
allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben
und weist des Himmels Pfort."

Dieses Lied, wie auch das 1600 verfasste Lied: "Ach Gott, die armen Kinder dein" spiegelt sehr deutlich den Eindruck, der sich um die Jahrhundertwende häufenden schlechten Ernten, bedingt durch die "Kleine Eiszeit". Sowohl der positive Aufbruch, aber auch die ständige Bedrohung durch Missernten und der deutliche Bezug, dass Gott vor dem Teufel schützen möge, lassen sich hier im Text festmachen.

Ach Gott die armen Kinder dein

1. "Ach Gott die armen Kinder dein
begehren Gnad und Segen,
weil jetzt die Sonn verhällt den Schein
und fallen schwere Regen.
Das Wasser wächst, groß Schad geschieht,
sein' Jammer man auf Erden sieht;
die Näss' bringt groß Verderben.

2. Du hast das Körnlein auf dem Land
gegeben und bescheret.
Hilf ferner durch dein rechte Hand,
daß es nicht wird versehret.
Gebeut den Wolken und dem Wind;
wel sie dir all' gehorsam sind;
daß sie nicht Regen bringen.

3. Die Sonn laß klar am Himmel gehn,
ihrn Glanz und Hitz vermehre.
Die Luft mach heiter, rein und schön,
die Ernt und nicht zerstöre.
Laß gut und gnädig Wetter sein,
so führen wir die Ernte ein
mit Jauchzen und mit Singen."

(Vgl. Hildebrandt, Helmut; Gudd, Martin, Getreidebau)

Hörbeispiel: Wie lieblich ist der Maien

  • Melodie: Johann Steuerlein
  • Einspielung: Prisma Chor
  • Leitung: Markus Gück