Hexenprozesse in Kurmainz

Ottilia Sponseil

Ottilia Sponseil (169), die Witwe von Niclaß Grüne, entstammte einer angesehenen Dieburger Familie. Ihr Vater Johann Alberts, mit seiner Frau namentlich als Maria Alberts genannt, führte in seinem Leben die Tätigkeiten Wirt, Ratsmitglied und Baurentmeister aus. Im Jahre 1612 wurde Ottilia zum ersten Mal gefangen genommen, gefoltert, jedoch wieder freigelassen. Sie war verheiratet mit Niklas Grün, der aber zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.

Erneut verhaftet wurde sie vermutlich am 2. September 1627, und sie musste sich ein weiteres Mal der Folter unterziehen. Ihre Reaktion auf die Tortur war zunächst aggressiv, ein Verhalten, welches nicht häufig in den Prozessen vorzufinden ist. (28/291, 83, fol. 62v). Im Protokoll über das Verhör sind folgende Äußerungen von ihr aufgezeichnet worden: Sie habe "niemalen dergleichen Zauberei Laster gelernt, könte noch wüste hiervon nichts zu sagen, wan man sie schon zu Stücken risse, oder solde sie so manch Teufel hollen als sie Haar auf dem Kopf hab". Ihr wurde daher jetzt vorgehalten, dass sie ohnehin keine Chance habe, schließlich hätten alle ihren Namen bereits genannt. Dieser Hinweis macht verständlich, weshalb auch sie zahlreiche Namen nannte, und zwar im Gegensatz zu ihrer sonst bei vielen Fragen bewiesenen Kürze (28/291, 83, fol. 57r). Erst nach diesem Druck, v.a. aber nachdem der Henker Ottilia festhielt, brach ihr Widerstand und sie beantwortete die gestellten Fragen gemäß des Fragenkatalogs ( Specialia Interrogatoria).

Ottilia Sponseil gab sich bei allen Antworten eher karg, brachte wenige Details von der Hexenhochzeit oder anderen vermeintlichen Treffen. Nur beim Schadenszauber wurde sie eher ausladend und gab christliche Beschwörungssprüche wieder, die ein einzigartiges Beispiel für solche Texte darstellen (28/291, 83, fol. 57r). War es ihr als eine der wenigen gelungen, noch 1612 dem Scheiterhaufen zu entgehen, so schnappte dann die Apparatur erbarmungslos zu. Ottilia Sponseil wurde vermutlich im November 1627 verbrannt, wobei jedoch ein genaues Datum der Hinrichtung nicht bekannt ist.

Das Verhörprotkoll

Hörbeispiel: Aufnahme eines Beschwörungsspruches

  • Sprecher: Julia Nixdorf, Ludolf Pelizaeus
  • Aufnahme: Matthias Untucht

Nachweise

Verfasser: Julia Nixdorf und Ludolf Pelizaeus

Quellen:

  • Stadtarchiv Mainz, 28/291, Lage 83 fol. 62v.–69r.