Hexenprozesse in Kurmainz

Kultur und Alltag in Kurmainz

[Bild: Public Domain]

Der Alltag der Bevölkerung war für die Mehrheit von einem ständigen Überlebenskampf geprägt. Ungefähr 80 % der Bevölkerung waren im landwirtschaftlichen Sektor mit der Abhängigkeit von Ernten und Temperaturen tätig. Damit war der Alltag vielfach von Zukunftsangst, verstärkt durch ständig drohenden Krieg und Hunger geprägt. Da seit 1618 der Dreißigjährige Krieg tobte, der schon in seiner ersten Phase 1620 Kampfhandlungen im Rhein-Main-Gebiet mit sich brachte, war das Erzbistum von Anfang an betroffen. Zwar verlagerte sich 1625-29 der Kriegsschauplatz mehr nach Norden, doch kehrten ausländische Soldaten mit dem Einfall der schwedischen 1631 und dann der französischen Truppen schon bald wieder nach Kurmainz zurück.

Durch die Truppendurchzüge war die Bevölkerung stets von eingeschleppten Krankheit und Hunger bedroht. Vielfach schien für die Menschen die einzige Erlösung aus dem irdischen Jammer und Unglück der Tod zu sein. Diese Jenseitssehnsucht, aber auch die Angst vor Erntekatastrophen, Verlust von Angehörigen, Hunger und Tod spiegelt sich auch sehr plastisch in einer Reihe von Liedern der Zeit wieder, von denen hier zwei ausgewählt wurden.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, die Zeit zwischen 1600 und 1640 nur als eine Zeit von Krieg und Armut und die Kurfürsten nur als Hexenverfolger zu sehen.

Vielmehr sind gerade die Vollendung wichtiger Bauprojekte (kurfürstliches Schloss in Mainz, Schloss Johannesberg in Aschaffenburg) Ausweis der Bautätigkeit. Zudem traten die Kurfürsten, besonders Johann Philipp von Schönborn, als Reformer und Gesetzgeber hervor und haben Kultur und Kirchenmusik gefördert. Sie wirkten als Förderer von Komponisten und der geistlichen Musik, die damit andere Aspekte des Lebens in Kurmainz zeigen.

Nachweise

Verfasser: Ludolf Pelizaeus