Hexenprozesse in Kurmainz

Johann Schweickard von Kronberg (1604–1626)

Johann Schweickhard von Kronberg[Bild: Public Domain]

Der eher bescheidene und fleißige Johann Schweikard von Kronberg wurde mit 51 Jahren zum Erzbischof gewählt. Nach dem Studium am Collegium Germanicum in Rom war er der erste Kirchenfürst von Mainz, der an einem jesuitischen Kolleg ausgebildet wurde. Trotz seiner unbeirrt katholischen Überzeugung, vertrat er eine weniger harte Kirchen- und Religionspolitik als die seines Vorgängers Erzbischof Johann Adam von Bicken. Durch Förderung von Kolleg- und Klostergründungen von Jesuiten, Kapuzinern, Augustinern und Franziskanern in Mainz, Aschaffenburg und Erfurt unterstützte der sittenstrenge Kirchenfürst wesentlich die katholische Mission.

Unter Erzbischof Johann Schweikard wurde der endgültige Verbleib des Erzstifts beim Katholizismus und die Ausrichtung zu einem konfessionellen Staat besiegelt, und zwar 1615 mit der neuen Kirchenordnung, der eine Polizeiordnung zur Reglementierung der Sitten und Gebräuche beigefügt wurde, und den Additionsartikeln von 1617. Die Gegenreformation konnte auch im Eichsfeld abgeschlossen werden. Auch in den pfälzischen Territorien und an der Bergstraße wurde mit der Rekatholisierung begonnen, zum Beispiel mit dem Erlass, dass alle Kinder und Jugendliche katholisch unterrichtet werden sollten.

Reichspolitisch setzte er sich für den Erhalt der Reichsfriedensordung ein, da er nur durch sie die Wahrung seiner Interessen (den Erhalt seines Territoriums, seiner Ämter und des katholischen Glaubens) als gesichert sah. Obwohl er sehr "vertrauensselig" war, erkannte der Kirchenfürst am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges sehr genau die Gefahren, welche von den konfessionellen Spannungen ausgingen und versuchte, auf vielen von ihm einberufenen Kurfürstentagen eine überkonfessionelle Einigung zu erzielen.

Doch als seine Vermittlungspolitik scheiterte, schloss er sich 1609 der Katholischen Liga an, einem aus fast allen katholischen Territorien bestehenden Gegenbund zur 1608 gegründeten protestantischen Union, der er später, neben dem bayrischen Herzog Maximilian, als Direktor vorstand. Trotz seiner intensiven Bemühungen blieb es ihm versagt, einen Religionsfrieden im Reich herzustellen - zu weit hatten sich die konfessionellen Parteien schon voneinander entfernt.

Einen Tiefpunkt während des Pontifikats von Erzbischof Johann Schweikard bildeten die Hexenverfolgungen, welche um das Jahr 1615 in Kurmainz in gesteigerter Form durchgeführt wurden. Der Kurfürst war von der Vorstellung durchdrungen, dass es eine von den Hexen ausgehende Bedrohung des Seelenheils seiner Untertanen gäbe und setzte sich daher auch für eine strafrechtliche Verfolgung der vermeintlichen Übeltäter ein. Unter den verschiedenen Verordnungen, die das seelische und leibliche Wohl der Delinquenten behandelten, erließ er auch ein Konfiskationsedikt. Dieses basierte auf jenem, welches Erzbischof Wolfgang von Dalberg erlassen hatte. Es untersagte eine totale Güterkonfiskation, um dadurch völlige Armut der Nachkommen zu verhindern. Wichtigste Verordnung war die Auch ein Fragekatalog mit 98 Spezial- und Gegenfragen wurde veröffentlicht. All diese Richtlinien waren zur Vereinfachung der Prozesse und zur Vorbeugung von Mißbräuchen während derselben gedacht.

1604 traten die ersten Fälle der Pest in Dieburg auf, und in den folgenden Jahren wurde das ganze Kurmainzer Erzstift von Pestepidemien ergriffen. Der Kurfürst flüchtete in das von der Pest verschonte Seligenstadt. Um der Gefahr der Infektion zu entgehen, wurde der Aktenverkehr eingestellt, wodurch auch die Hexenprozesse bis 1611 weitgehendst zum Erliegen kamen. Später gab es wieder vermehrt Prozesse, so zum Beispiel 1612 in Dieburg und um Mainz (in Bodenheim, Mombach und Hechtsheim). In Miltenberg, Lohr und Külsheim fanden Prozesse über mehrere Jahre hinweg statt. Nahezu fast alle Verfahren wurden auf Ersuchen der Bevölkerung aufgenommen.

» Georg Friedrich von Greiffenclau (1626-1629)

 

Nachweise

Verfasser: Silvia Keiser